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documenta 3

 

Obwohl das „Weltsprache“-Dogma der Abstraktion 1964 bereits weitgehend von einem neuen Wirklichkeitsverständnis und veränderten Kunstmarkgeschehen außer Kraft gesetzt worden war, hielt Werner Haftmann an der universellen Gültigkeit seines Kunstgeschichtsentwurfs fest. Mit der Formel „Kunst ist, was berühmte Künstler machen“, betonte er die Wirkungskraft des Individuums jenseits von Gruppenbildungen und Stilrichtungen. Damit verpasste die documenta 1964 die Chance, die jüngsten künstlerischen Entwicklungen ihrer aktuellen Bedeutung gemäß zu dokumentieren.


Arnold Bode nannte die dritte documenta das „Museum der 100 Tage”. Unter dem Motto „Bild und Skulptur im Raum“ erprobte er mit spektakulären Inszenierungsexperimenten, wie das ideale Kunstmuseum der Gegenwart aussehen könnte. Mit einer „architektonischen Raumregie“ sollte dem Kunstwerk der Gegenwart ein verbindlicher Wirkungsort angepasst werden.


Eine weitere Kriegsruine wurde für Ausstellungszwecke nutzbar gemacht: die Galerie an der Schönen Aussicht (heute Neue Galerie), die seitdem zu den regelmäßigen Standorten des documenta-Geschehens gehört. Zur besonderen Attraktion wurde dort die Auswahl von 500 Handzeichnungen, die noch einmal Haftmanns Entwicklungstheorie und die Evolution von einem das Sichtbare abbildenden zu einem das Unsichtbare sichtbar machenden Wirklichkeitsbezug skizzierte. Erneut wurde das Vorfeld der Orangerie-Ruine für die Freilicht-Präsentation der Plastik genutzt. Und in einer „Parallel-Ausstellung“ wurden in der Staatlichen Werkkunstschule mit Graphik und Industrial Design die angewandten, „die Umwelt unseres Alltagslebens formend durchdringenden Randgebiete“ dokumentiert.