documenta
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documenta 2

Der Erfolg von 1955 machte vier Jahre später eine weitere documenta möglich. Dazu wurde als Organisationsform eine GmbH gegründet. Die „internationale Ausstellung“ verkürzte ihren Erfassungszeitraum auf „Kunst nach 1945“, während sie ihren geografischen Einzugsbereich auf die USA ausdehnte. Vom „International Programm“ am Museum of Modern Art in New York zusammengestellt, brachten die transatlantischen Großformate den Anspruch der Eigenständigkeit einer US-amerikanischen Kunstproduktion in Kassel nachdrücklich zur Geltung. Zudem ließen sie sich nahtlos in Werner Haftmanns künstlerisches Kontinuitätsdenken integrieren.


„Die Kunst ist abstrakt geworden“, behauptete Arnold Bodes Berater, und er wollte diesen Befund in Form einer Ausstellung belegen. Damit bezog die documenta 1959 aktiv Stellung in der aktuellen Auseinandersetzung um die abstrakte Kunst, die sie gemäß Haftmanns Entwicklungstheorie als international gültige „Weltsprache“ zu etablieren suchte. Ein umfangreicher historischer Vorspann mit exemplarischen Werken der Klassischen Moderne sollte der Formulierung verbindlicher Qualitätsmaßstäbe Glaubwürdigkeit verleihen. Damit bekräftigte die neu entstandene Ausstellungsreihe ihre Absicht den Kanon des Zeitgenössischen zu definieren. Seitdem verbinden sich in jeder documenta objektive Dokumentationsbehauptungen mit subjektiven Interessen.


Aber auch räumlich expandierte die zweite documenta: Gemäß der These, die Plastik der Gegenwart müsse sich unter freiem Himmel bewähren, wurde für die Präsentation der dreidimensionalen Exponate in der kulissenartigen Ruine der Orangerie in der Karlsaue ein neuer faszinierender Schauplatz erschlossen.