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Staatliches Bauhaus Weimar

Am 1. April 1919, als Fusion der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule und der Großherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule, gründete Walter Gropius das Staatliche Bauhaus Weimar. Henry van de Velde, Gründer des Kunstgewerblichen Seminars in Weimar und Leiter der Großherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule hatte den Architekten Walter Gropius bereits 1915 für diese Position vorgeschlagen. Ihr Ziel war es, die Vereinigung von Kunst und Handwerk in den Bereichen der Architektur, der bildenden Kunst und des Designs zu fördern. Als weltoffene und international geprägte Einrichtung wurde das Bauhaus als einer der wichtigsten Treffpunkte der europäischen Avantgarde bekannt.


Gropius verstand das Bauhaus als Arbeitsgemeinschaft, in der es keinen gesellschaftlichen Unterschied zwischen Künstlern und Handwerkern geben sollte. Auch erleichterte er die akademischen Zugangsbedingungen: So konnte jeder begabte Mensch, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Abstammung am Bauhaus studieren. Für dieses Konzept konnte Gropius bekannte Künstler wie Lyonel Feininger (1919), Johannes Itten (1919), Gerhard Marcks (1919), Paul Klee (1921), Oskar Schlemmer (1921) sowie Wassily Kandinsky (1922), Josef Albers (1923) oder László Moholy-Nagy (1923) als Lehrende gewinnen. Die Lehre des Bauhauses formte sich, angelehnt an das Gründungsmanifest, als neuartige Unterrichtsform: Sie bestand aus einem Vorkurs, der von Johannes Itten konzipiert wurde, und der Arbeit in den Werkstätten und verfolgte die individuelle Entwicklung der Studierenden. Als Besonderheit galt am Bauhaus Weimar die Bühnenwerkstatt von Lothar Schreyer und Oskar Schlemmer, die als disziplinübergreifende Einrichtung versuchte, die verschiedenen Facetten der Kunst und des Handwerks zu verknüpfen.

 

 

Die anfänglich eher expressionistisch, romantisch geprägte Phase wurde um 1922 durch den Eintritt des De-Stijl Gründers Theo van Doesburg abgelöst. Nun standen einfache Formen des Kubismus und Konstruktivismus sowie die Fusion von Kunst und Technik im Vordergrund. Van Doesburg erhielt von Gropius keinen Lehrauftrag am Bauhaus, fungierte aber als freier Mitarbeiter, der private Unterrichtsstunden zur architektonischen Gestaltung anbot. Bis zur mehrheitlichen Machtergreifung des rechten Thüringer Ordnungsbundes 1924 wurde das Bauhaus von der Landesregierung gefördert, danach verlor es circa 50 Prozent seines Etats. Mit der Ankündigung die Lehrverträge zum 31. März 1925 aufzuheben, kündigten Gropius und die verbleibenden Mitarbeiter bereits im Dezember 1924 ihre Verträge und entschlossen sich, in das sozialdemokratische Dessau umzusiedeln.