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Harald Kimpel

»Quintessenz« des Neuen Bauens: Bauhaus-Architekturen in Fotoporträts

Gebaute Architektur, eines der Hauptinteressengebiete Arnold Bodes, ist in einer Ausstellung nur schwer zu zeigen. Doch was tun, wenn die erste documenta nicht nur als Schau der Malerei und Plastik gedacht war, sondern auch die so genannten »Schwesterkünste« einbeziehen wollte? Um die »Quintessenz« des Neuen Bauens im 20. Jahrhundert wenigstens in Form von

Abbildungen zu berücksichtigen, gestaltete Bode in der oberen Halbrotunde des Treppenhauses im Museum Fridericianum eine Phalanx aus 60 fotografischen Porträts maßgeblicher Architekturen zwischen 1905 und 1955. In dieser Parade exemplarischer Entwürfe wurden auch Bauten der Bauhaus-Direktoren Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe berücksichtigt.

In der Halbrotunde des Dachgeschosses im Museum Fridericianum inszenierte Arnold Bode zur ersten documenta die »Quintessenz« der »Architektur von 1905—1955«. An einer Auswahl von 60 Schwarzweiß-Fotografien mit Beispielen des neuen Bauens während der 1. Jahrhunderthälfte sollte — wie Katalogautor Stephan Hirzel ausführte — im Rahmen der Kunstausstellung demonstriert werden,

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welch beträchtliche Wechselwirkung zwischen Architektur, Malerei und Plastik gerade seit der Jahrhundertwende mitbestimmend gewesen ist für das Gesicht neuer Kunst.
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Quelle

Stephan Hirzel: Zur Architektur von 1905-1955, in: Ausstellungkatalog documenta. Kassel 1955, o.S.

Vor der konkaven Rückwand waren Ansichten der Gebäude von 27 international maßgeblichen Architekten doppelreihig eingebunden in ein konstruktives Raster aus schwarzen Holzlatten.

Mit dieser Zusammenstellung deutete Bode an, wie ihm daran gelegen war, die erste documenta nicht allein als eine Präsentation bildender Kunst in Erscheinung treten zu lassen. Denn mit einem gesamtkünstlerischen Totalanspruch — der allerdings aus Kosten- und Raumgründen nur ansatzweise verwirklicht werden konnte — sollte die Ausstellung als eine kulturelle Synopse auch die so genannten »Schwesterkünste« wie Musik, Literatur, Theater und eben auch Architektur einbeziehen.


Die einzig vorhandene Ansicht der Bildwand erfasst mit 25 Fotografien weniger als die Hälfte der Tafeln. Sie zeigt jedoch, dass in dieser Parade der internationalen Architekten-Avantgarde neben Erich Mendelsohn, Hans Scharoun, Le Corbusier, Alvar Aalto, Frank Lloyd Wright und anderen auch die Bauhaus-Direktoren Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe mit wichtigen Bauten berücksichtigt worden waren. Von letzterem ist der »Barcelona-Pavillon« der Weltausstellung 1929 mit zwei Ansichten repräsentiert.

Walter Gropius ist mit seinem Wohnhaus in Lincoln (Mass.) dabei, das er 1938 nach seiner Emigration in die USA für sich und seine Familie entworfen und bis zu seinem Tod 1969 bewohnt hatte. Außerdem zu sehen ist das »Harvard Graduate Center« in Cambridge (Mass.), das Gropius, zum Leiter der Architekturabteilung der Harvard University berufen, 1949 bis 1950 als führender Kopf der von ihm 1945 gegründeten »Architects Collaborative« (TAC) als ein Ensemble aus acht Gebäuden konzipiert hatte.

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Walter Gropius: Faguswerke Alfeld, 1913

Mies van der Rohe: Theater in Mannheim (Modell), 1953

Mies van der Rohe: Theater in Mannheim (Modell), 1953

Nicht auf der Abbildung der Fotowand erfasst sind Walter Gropius‘ Faguswerke Alfeld (1913) und Mies van der Rohes (nicht realisierter) Modell-Entwurf für das Nationaltheater Mannheim (1953).

Die Großfotos wurden gesponsert von den Göppinger Kaliko- und Kunstleder-Werken. 13 von ihnen wurden in den Ausstellungskatalog übernommen.

weiter in der Ausstellung:


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Ludwig Grote und seine Bauhaus-​Ausstellung in München



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